Viele Wasserwerke an der Ruhr waren Mitte Juli 2021 massiv von den Extremniederschlägen und einer bisher nicht erlebten Hochwasserwelle betroffen.
Nach fünf Jahren zieht die Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke an der Ruhr (AWWR) Bilanz nach dem außergewöhnlichen Ereignis.
Rückblick: Vor fünf Jahren führten die Extremniederschläge an der mittleren und unteren Ruhr zu einem Hochwasser mit rekordhaftem Pegelanstieg und -höhe. Die Talsperren im Sauerland konnten durch die Vorhaltung von Hochwasserschutzräumen die Auswirkungen des Ereignisses wesentlich begrenzen. Partielle Qualitätseinschränkungen, Ausfall eines Wasserwerks und betriebliche Grenzsituationen kennzeichneten die Trinkwasserproduktion an der Ruhr ab dem 14. Juli 2021.
Seitdem wurden Wettervorhersagen, Abflussprognosen sowie Informationsketten an der Ruhr und in NRW deutlich verbessert. AWWR-Unternehmen haben den betrieblichen Hochwasserschutz zum Schutz der Trinkwasseranlagen mit vielfältigen Maßnahmen nach eigenem Ermessen ausgebaut. Bis heute liegt für die Ruhr jedoch kein aktualisiertes Bemessungshochwasser des Landes vor – fünf Jahre nach dem Extremhochwasser 2021.
Spätestens seit 2021 ist das bisherige Bemessungshochwasser fachlich überholt und für die Auslegung von Schutzmaßnahmen nicht mehr geeignet. Leider sind bei erforderlichen Deichanpassungsmaßnahmen weiter sehr lange und komplizierte Genehmigungsverfahren zu durchlaufen. Infolgedessen konnte bislang keine Deichmaßnahme zum Schutz der Wasserversorgung an der Ruhr umgesetzt werden. AWWR-Vorsitzender Bernd Heinz kommentiert: „Wann fängt das Land mit Beschleunigung, Bürokratieabbau und schlanken Prozessen endlich an? Wir wollen schützen, dürfen aber nicht.“
Reparaturen, Wiederherstellung und Schutzumbauten in den Wasserwerken erfolgten innerhalb kürzester Zeit, um gegen erneute Hochwasserlagen gewappnet zu sein. Dass dazu im Vergleich die Wiederherstellung beschädigter und neuer Pegelanlagen des Landes Jahre benötigte, sieht die AWWR kritisch.
Die Ruhrwasserwerke haben ihre Zusammenarbeit und gegenseitige Nothilfe seitdem ausgebaut und sind für vergleichbare Ereignisse besser vorbereitet. Im Jahr 2028 wird das letzte Ruhrwasserwerk mit ergänzter Aufbereitungstechnik ausgestattet sein, um auch bei Extremhochwasser eine hohe Trinkwasserqualität zu gewährleisten.
Positiv zu vermerken war das schnelle und sachgerechte Hochwasserhilfsprogramm des Landes. Die Ruhrwasserwerke hatten Schäden in mittlerer einstelliger Millionenhöhe zu tragen, die weitgehend durch das Hilfsprogramm gedeckt wurden.
Es ist bedauerlich, dass erste regionale Hochwasserpakte erst nach fünf Jahren gegründet wurden und bisher keine nennenswerten strukturellen Beschleunigungen wahrzunehmen sind. Die AWWR hofft auf umsetzungsfähige Impulse und konkrete Schutzmaßnahmen zum Hochwasserschutz über die angekündigte NRW-Wasserstrategie.
